Alle unsere Projekte sind erwachsen geworden

21. Generalversammlung mit heiterem Verlauf und wichtigen Gästen

von Gundi Klemm

Die Solothurnerin Anna Stadelmann, die als Vorstandsmitglied seit 12 Jahren den 335 Mitglieder zählenden Verein Graue Panther wesentlich mitgestaltet, wurde mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Gäste wie alt Kantonsratspräsidentin Susanne Schaffner und Ruedi Fasnacht vom Partnerverein Olten machten auf Probleme für Senioren aufmerksam.

„Wir müssen unserem Unmut Ausdruck verleihen“, bekräftigte Ruedi Fasnacht, Präsident der politisch sehr aktiven Grauen Panther, Olten, im Beisein von Nationalrätin Bea Heim. Denn das kantonale Sparprogramm gehe zulasten von Menschen, die Hilfe brauchen. Gestrichen werden sollen die Pflegefinanzierungsbeiträge für die Pflegestufen 1 bis 4 und eine verbesserte Finanzierung für Tagesstätten. „Wir wollen im April eine Volksinitiative starten und brauchen dazu auch Eure Mithilfe“, bat er die rund 90 Beteiligten an der 21. GV der Solothurner Panther. Zugezogen habe man ebenfalls einen Steuerexperten, weil, wie festgestellt, das Bruttoeinkommen von Rentnern um 50 Prozent höher besteuert werde als vergleichbares Erwerbseinkommen. In ein ähnliches Horn stiess Susanne Schaffner, die von der kantonsrätlichen Spardebatte zu den Grauen Panthern eilte. 7 Mio. Franken soll, wie sie berichtete, die gekürzte Prämienverbilligung einsparen. „Dadurch sind kleine Einkommen bei uns im Kanton besonders hoch belastet.“

Heitere Versammlung

Zuvor hatte Panther-Präsident Hans Rüd in seinem Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr die vielen Aktivitäten gewürdigt. 1 200 Personen nahmen an den 21, im 14-Tage-Turnus stattfindenden Veranstaltungen zu Themen aus Gesundheit, Politik, Kultur und Unterhaltung teil. An den 19 Ausflügen der Wandergruppe beteiligten sich 342 Bewegungsfreudige. Die Konversationskurse in Französisch und Englisch sowie die Spielzusammenkünfte wurden gleichfalls von vielen Interessierten besucht. „Unsere Projekte wie „Seniorenrat in Solothurn“, die bereits in 18 Gemeinden funktionierende „Seniorenhilfe in der Schule“, die Mitarbeit in der „Fachkommission Alter“ und im „Quartierverein Weststadt“ sind allesamt erwachsen geworden“, freute sich Rüd an deren Erfolg.  Silvia Wälchli zeigte, dass die Vereinsfinanzen mit einem Kapital von fast 20 000 Franken im Lot sind. Unverändert bleibt der Jahresbeitrag auf 30.-/Einzel und 40.-/Paar.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand die Ehrung von Anna Stadelmann, die künftig dem Vorstand nur noch für einzelne Aufgaben zur Verfügung stehen will. Mit ihr verliessen Doris Schumacher nach 4 Jahren Mitarbeit und Lucia Curschellas, die 19 Jahre der städtischen Fussgänger- und Velokommission angehörte, die Vereinsführung. Gewählt wurde Rosmarie Ledermann, die den von Hans Rüd und Vizepräsidentin Irene Privé geleiteten 8-köpfigen Vorstand komplettiert.

Einen heiteren Abschluss setzten Schulkinder aus dem Hermesbühl mit musikalischen Vorträgen, die viel Beifall erhielten.

Das war besser als die Arena im Fernsehen

Graue Panther Solothurn diskutierten Pro und Kontra der 1:12 Initiative

Von Gundi Klemm

JUSO-Präsident David Roth und Marianne Meister, die für Ständerat Pirmin Bischof kurzfristig eingesprungene Präsidentin des Kantonalen Gewerbeverbandes, FDP-Kantonsrätin und Messener Gemeindepräsidentin, stellten in Kurzreferaten ihre unterchiedliche Sicht der 1:12 Initiative dar. Danach mischte das Publikum mit und gestaltete den Anlass spannend, vergnüglich und respektvoll. „Das war besser als die Arena im Fernsehen“, war man sich einig.

Wer bisher meinte, längst alle Argumente für oder gegen die 1:12 Initiative der JUSOS gelesen oder gehört zu haben, erlebte an diesem Anlass Erstaunliches. In der Aussprache nach den Referaten, in die Marianne Meister und David Roth kontradiktorisch einbezogen waren, setzten sich die Anwesenden kritisch mit dem Gehörten auseinander. „Ihr bürgerlichen Parteien seid Weltmeister in der Angstmacherei“, musste Meister aus dem Plenum zur Kenntnis nehmen, nachdem sie die gegnerische Kampagne des Schweizerischen Gewerbeverbandes in ihrem Vortrag wortgewandt vertreten hatte. Gewarnt hatte sie vor dem „schädlichen sozialistischen Rezept“, das zur Abwanderung von Firmen und Arbeitsplätzen ins Ausland, zu einem zeitraubenden Papierkrieg der Unternehmen und besonders zu einem unerwünschten Eingriff des Staates in die liberale Wirtschaftsordnung hierzulande führe. Sie vergass nicht, die neue „Neidkultur“ und die Vergiftung des sozialen Klimas im Kontext von Studien zur 1:12 Initiative zu erwähnen, die grosse Löcher in die AHV und ins Steueraufkommen reissen werde. Denn losgelöst von der Realität verspreche die Initiative „mit halsbrecherischen Theorien das Blaue vom Himmel“. „Dieser Systemwechsel erzeugt grosse Angst“, meinte sie mit Blick nach Frankreich, wo der gegenwärtige Wirtschaftskurs mitsamt Mindestlohn nicht stimme. „Aber Hollande muss auch etliche Massnahmen von Sarkozy auslöffeln“, tönte es aus dem Plenum.

Roth, der mit einleuchtenden Beispielen und Zahlenmaterial zu Produktivität und ungleicher Vermögensverteilung in seinem Impulsreferat operierte, zitierte eine Aussage von Arbeitgeberseite: „Der Missbrauch von Freiheiten erfordert eine Regulierung“,… denn gewisse Herren mit Abzockermentalität hätten’s in ihrer Geldgier einfach übertrieben, betonte er. Da auch Marianne Meister Unbehagen über den Spitzenverdienst einiger weniger „reicher Vasellas“ signaliserte, fragte Roth, warum nicht die bürgerlichen Parteien selbst schon einen Vorschlag entwickelt hätten,.. „um dieser Ungerechtigkeit mit einer besseren Verteilung der finanziellen Ressourcen ein Ende zu setzen.“ Denn schliesslich, so Roth, sollte doch Leistung honoriert werden. „Der Erfolg der Schweiz hängt von der fleissigen Mehrheit und nicht von den Topverdienern ab“, bekräftigte eine weitere Stimme. „Und das Kapital sollte auch breiter verteilt sein, um damit die Kaufkraft im Lande zu steigern“, machte eine Diskussionsteilnehmerin auf die mehr als eine Viertelmillion „working poor“ aufmerksam, die aus ihrer Sicht in der liberalen Wirtschaft einfach untergehen. „Unten schneidet man ab, und oben richtet man mit grosser Kelle an“, lautete aus dem Saal eine Aeusserung, für die das jetzige System nicht mehr stimmt. Bei einer Annahme würde die 1:12 Initiative im Parlament vermutlich „wieder zerzupft“, befürchtete eine weitere Sprecherin. „Aber auch wenn sie nicht angenommen wird, weiss man wenigstens in Bern, dass es im Volk rumort“, hielt ein Votant fest. Ein anderer glaubte, dass die Folgen der angenommenen 1:12-Initiative für die Wirtschaft geradezu katastrophal wären.  

In seinem Schlusswort betonte Panther-Präsident Hans Rüd, dass die 1:12 Initiative eigentlich weltweit angegangen werden müsste, und er unterstrich ein besonderes Vorrecht: „Die Jungen müssen protestieren, wenn etwas nicht in Ordnung ist“. „Aber die Alten auch“, schallte es aus dem Plenum zurück.

Eine Aufzeichnung dieser Veranstaltung durch das Tessiner Fernsehen wird am 2. 11., 20 Uhr, gesendet.

Wir sollten uns keinen Knieschuss verpassen

Graue Panther Referat von Stadtpräsident Kurt Fluri zum Fusionsprojekt und weiteren Vorhaben der Stadt

VON GUNDI KLEMM

«Die Agglomeration Solothurn ist doch schon längst ein zusammen hängender Lebensraum», unterstrich Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri vor 45 sehr interessiert zuhörenden Mitgliedern der Grauen Panther. Mit dem Blick auf mehrere projizierte Karten von 1880 bis 2005 war zu er kennen, wie stark frühere Streugemeinden immer dichter mit dem Zentrum Solothurn zusammengewachsen sind. Auch der mitgebrachte Panorama-Blick vom Weissenstein zeigte, dass zwischen den kommunalen Anrainern kaum noch erkennbare Besiedlungsgrenzen bestehen. «Die Agglomerationsgemeinden, die rund 34 Prozent der Kantonsbevölkerung ausmachen, haben alle ähnliche Fragen zu lösen», erläuterte Fluri Gründe für ein Zusammengehen, das vor Jahren durch eine Motion von Klaus Koschmann angestossen worden war. Denn keine Gemeinde könne ihren Bewohnern alles bieten. Man sei auf die gegenseitige Ergänzung in Verkehr, Sozialwesen und öffentlicher Sicherheit angewiesen und könnte so vielerlei Fragen etwa im Schulwesen, in Raumplanung und Erschliessung gemeinsam vereinfachen.

Die Last des Zentrums
Gegenwärtig trage die Stadt aber für das Umland vielerlei Lasten mit. Als Beispiel unter anderen nannte Fluri die Kultur, für welche Solothurn bis zu 7 Mio. Franken jährlich ausgibt, aber mit nur 67 Prozent viel weniger Beiträge von den Kommunen ringsum erhält, deren Bevölkerung doch auch vom grossen Angebot profitiere. Sechs Gemeinden im Umkreis um Solothurn haben sich auf die durch die Hochschule Luzern geführte Grundlagenstudie eingelassen. Inzwischen bröckelt aber die Fusionswilligkeit ab, weil Langendorf und vermutlich auch Bellach ihre Teilnahme beenden. Vorerst mit da bei sind weiterhin Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil. Kurt Fluri setzte sich auch mit der Skepsis gegenüber dem Fusionsprojekt auseinander, die sich an fehlen der Souveränität der Bevölkerung, den durch ein gemeinsames Parlament ersetzten Gemeindeversammlungen und dem Steuerfuss entzündet hatte. «Berichtet wurde sogar von einem bereits geplanten zentralen Verwaltungsgebäude für 20 Mio. Franken. Nachdrücklich lud er zum Besuch der Gemeindeversammlung am 16. Januar ins Landhaus ein, um dort den Schritt in die weitergehenden Detailabklärungen zu starten. Laut Hochschulfachleuten sei das Projekt sinnvoll. «Und wir als Zentrumsgemeinde sollten uns selbst keinen Knieschuss verpassen, sondern nachhaltiges Interesse an einem Zusammenschluss beweisen», sagte Fluri.

Planung «Weitblick»
Ausführlich ging der Stadtpräsident auf Planungen für Gewerbe und Wohnen im grossen Areal von 25 Hektaren entlang der Westumfahrung ein. Auf der Grundlage des verabschiedeten Masterplans Energie sollen hier mit der Quartierplanung «Weitblick» energieeffiziente Bauten bis 2035 entstehen, was die aus Senioren bestehende Versammlung doch mit einem Schmunzeln quittierte. Kurz streifte der Stadtpräsident auch das Vorhaben «Wasserstadt», die auf 38 Hektaren ehrgeizige Überbauungsziele anstrebt.

Nächster Anstoss kommt bestimmt
Die Frage nach möglichen Perspektiven, sofern die Fusion nicht zustande komme, beantwortete Fluri mit der Gültigkeit dieses Themas und der Notwendigkeit, die Vorteile eines Zusammenschlusses «in den Köpfen ankommen zu lassen». Denn «wenn nicht jetzt, dann gibt es in einigen Jahren einen erneuten Anstoss.» Leider verfüge die Stadt über keinerlei rechtliche Grundlage, ihre Nachbarn zur finanziellen Mitbeteiligung bei den Zentrumslasten zu zwingen, ging er auf ein entsprechendes Votum ein. Ausserdem, wenn man den Stadtpräsidenten schon bei sich hat, interessierte die Alterspolitik und nach der Schliessung des Thüringenhaus das Vorhaben der Einwohnergemeinde, allen falls gemeinsam mit der Bürgergemeinde in St. Katharinen ein Alters und Pflegezentrum zu errichten. Öffentliche Projekte im Sinne alternativer Wohnformen für ältere Personen gebe es in der Stadt noch keine. Ein Teilnehmer erinnerte den Stadtpräsidenten an das immer noch fehlende Leichtathletik-Stadion, an das schwierige Ausfahrtszenario Grimmengasse und an Tempo 30, das zumindest am Herrenweg durchfahrenden Bussen das Leben schwer mache. Kurt Fluri beglückwünschte die Grauen Panther zu ihrem Vereinsleben, das «zum Frieden zwischen den Generationen» beitrage. «Wir sollten uns keinen Knieschuss verpassen»

© Solothurner Zeitung ¦ Ausgabe vom 16. November 2012

Warum die Glückskette in der Schweiz so erfolgreich ist

Mr. Glückskette tat Gutes und spricht darüber

„Viele kennen die Glückskette, aber nur die wenigsten wissen auch, wie sie funktioniert,“ so begann Roland Jeanneret, „die Stimme der Glückskette“, seinen Vortrag im Volkshaus.
Jeanneret gelang es, die rund 50 Zuhörerinnen und Zuhöhrer auf lockere und kurzweilige Art über den Hintergrund der Glückskette zu informieren und sie in seinen Bann zu ziehen. Die Glückskette sei das grösste Solidaritätswerk der Schweiz, welches nicht vom Staat finanziert werde, und könne als Schnittstelle zwischen Katastrophe, Medien und Hilfswerk angesehen werden. So müsse sie die Katastrophen erkennen, Medien zur Berichterstattung motivieren und geeignete Hilfswerke zur Unterstützung finden, erklärte Jeanneret. Von den rund 1500 Hilfswerken in der Schweiz arbeitet sie mit rund 30 zusammen. Die Glückskette umfasst sechs Telefonzentralen mit etwa 600 freiwilligen Mitarbeitern.

Die Glückskette entstand im Radio

1946 ist das Entstehungsjahr der Glückskette. Zwei Westschweizer Radiomacher haben damals eine Sendung mit dem Namen „Chaîne du Bonheur“, also „Glücks-Kette“ erschaffen, um Menschen in Not zu helfen und Leid zu mildern. Das Radio spielt heute noch eine wichtige Rolle: „70 Prozent dessen, was wir im Radio aufnehmen, nehmen wir als Bauchgefühl wahr, nur 30 Prozent mit dem Kopf. Der Grund dafür sind die Worte, die in uns Bilder auslösen“, sagt der „Mr. Glückskette“. Mit dem Radio kommt also ein wichtiger Impuls, der zum Spenden anregt. Damit erstaunt es auch nicht, dass die fünf häufigsten Motive welche die Menschen zum Spenden verleiten, einen emotionalen Hintergrund haben. Diese sind beispielsweise Solidaritätsgründe und persönliche Betroffenheit. Aus einer Statistik gehe hervor, dass jeder dritte Schweizer regelmässig oder zumindest ab und zu für die Glückskette spende, so Jeanneret. Dabei haben vor allem zwei Punkte Einfluss auf den Erfolg. Zum einen spielt die thematische, zum anderen die geografische Nähe eine wichtige Rolle. „So hatten wir beispielsweise mehr Erfolg mit dem Spendenaufruf zum Bergdorf Gondo als zum Darfur-Konflikt.“

Die Grundsätze der Glückskette

In seinem Vortrag erwähnte Jeanneret auch die wichtigsten Grundsätze der Hilfskette. So beziehe man stets auch die Betroffenen in Projekte mit ein, man achte auf Nachhaltigkeit und folge dem „Do No Harm“-Prinzip, bei welchem ungewollte Konfliktverschärfungen erkannt und auch vermieden werden sollen. Aktuell ist die Glückskette in rund 220 Projekte in insgesamt 43 verschiedenen Ländern tätig.

(Solothurner Zeitung vom 17. Oktober 2012)

„Bleiben Sie im Fluss, denn Flüsse altern nicht“

Durch Mediziner Dieter Breil, Leiter der Memory-Klinik am Kantonsspital in Olten, erlebte die weit über 80-köpfige Zuhörerschaft einen informativen, zugleich lebenspraktisch-humorvollen Vortrag über die verschiedenen Formen von Demenz. Nicht jede Wortfindungsstörung bedeutet gleich Demenz.

Von GUNDI KLEMM

Vermutlich hatte „Nebelgrind“, der Sonntagabend-Film im Schweizer Fernsehen, zusätzlich für ein derart lebhaftes Interesse am Vortragsnachmittag der Grauen Panther gesorgt. Beispielhaft waren in diesem Spielfilm die unterschiedlichen Störungen und Schweregrade sichtbar geworden, die das Leben des an der häufigen Demenzform Alzheimer erkrankten Altbauern beeinträchtigten. Dieter Breil definierte Demenz, die sich zuerst als deutliche Vergesslichkeit bemerkbar macht, aber gleichzeitig verbunden ist mit zusätzlichen Störungen im Erkennen, im Handeln, in der Sprache sowie in Planung, Kontrolle und Ausführung als alltägliches Funktionieren. Bei aktuell rund 100 000 Demenzfällen in der Schweiz, davon 3000 im Kanton Solothurn mit hier rund 700 Neuerkrankungen jährlich, erläuterte der Referent die vielfältigen Ursachen dieser Erkrankung, für die das Risiko im Alter ansteigt. Allerdings, so Breil, seien Zweidrittel der Hundertjährigen kognitiv gesund. Ausgelöst werden könne die Erkrankung von Durchblutungsstörungen im Hirn, durch bakterielle und virale Infektionen, durch Stoffwechselstörungen, ein Uebermass an Alkohol und sogar falsche Medikamentierungen. Nicht zu vergessen seien Tumore und Verletzungen des Hirns wie auch unbehandelte, schwere Depressionen. Eine Heilung von degenerativen Veränderungen und Schrumpfungen im Hirn, die er an Magnetresonanzaufnahmen zeigte, sei zwar nicht möglich, aber mit frühzeitiger Abklärung könne das Befinden wenigstens stabilisiert werden.

Normal oder krank?
Für alle, die sich unnötig ängstigen, hielt Breil die normale Altersvergesslichkeit mit ihren kleinen Tücken dem tatsächlichen Erscheinungsbild der Demenz entgegen. Aus englischsprachigen Forschungen zu „Activity, Behaviour, Cognition“ übertrug er die üblichen Ausprägungen der Krankheit auf die Fähigkeiten zur Bewältigung des täglichen Lebens, zu Verhalten und Emotionen sowie auf das geistige Leistungsvermögen. „Geistiges Altern ist zwar lästig, aber nicht behindernd“, tröstete er sein Publikum und erinnerte an die zahlreichen im Lebensverlauf erworbenen Kompetenzen, die bis ins hohe Alter durch Uebung erhalten bleiben. „Bis zum Schluss sind wir eine Baustelle“, meinte er humorvoll und riet, das Leben weiterhin ohne sozialen Rückzug wahrzunehmen und zu geniessen. Wer eine genetische Demenz-Disposition vermute, solle lieber auf eine entsprechende Abklärung verzichten, denn das Ergebnis könne jede Lebensfreude rauben. Stattdessen solle jeder ältere Mensch seine Werte und „besonders den Blutdruck als Lebensversicherung“ regelmässig kontrollieren lassen. „Bleiben Sie einfach lebendig im Fluss, denn Flüsse altern nicht“, lautete sein Rat für ein gesundes Altern.
© Solothurner Zeitung | Ausgabe vom 23.April 2012