Wichtiger Taktgeber im Verständnis fürs Alter

Die neue Vorstandszusammensetzung wurde präsentiert, der abtretende Präsident Hans Christen verdankt.
VON GUNDI KLEMM

Die Leitgedanken der Grauen Panther lauten: „Würde, Lebensqualität und Autonomie der älteren Menschen wahren und ihre Integration in der heutigen Gesellschaft fördern“. Dies geschah seit 20 Jahren unter dem Präsidium von Hans Christen gemeinsam mit seinen Vorstandsmitgliedern. Mit seinem Rücktritt hat sich der Vorstand neu gebildet.
Auf den Solothurner Hans Christen, der 20 Jahre lang als Taktgeber im Verständnis fürs Alter wirkte, folgt an der Spitze der Grauen-Panther-Familie interimistisch ein Dreierteam aus Vizepräsident Hans Rüd (leider erkrankt) sowie Irène Privé und Peter Sollberger im Co-Präsidium.

Aktiv am öffentlichen Leben dabei
Zum letzten Mal blickte Christen an seiner 20. Generalversammlung auf ein Vereinsjahr zurück, das mit seinen 22 öffentlichen Anlässen zu unterschiedlichsten Themen, mit kulturellen und geselligen Angeboten erneut bewies, wie lebendig die Teilhabe der älteren Generation an Gesellschaft und Politik gelingen kann. Beispiele dazu sind der durch die Grauen Panther letztjährig bei der Regierung eingereichte Volksauftrag zur Pflegefinanzierung und der unterstützte Vorstoss der Oltner Partnerorganisation „Spitex für alle“. Besonders aktiv wahrgenommen wird im Verein die Freiwilligenarbeit. So sind Mitglieder der Grauen Panther in der Seniorenhilfe in der Schule, im Mahlzeiten- und Besuchsdienst und in der Bibliothek im Einsatz und pflegen darüber hinaus ein grosses Beziehungsnetz zu verwandten Organisationen. Spielen, Wandern, Reisen und Sprachkonversationsgruppen zählen ebenso zum Vereinszweck.

Ein Dankeschön an viele
Vorstandsmitglied Anna Stadelmann würdigte die wertvolle Arbeit der zurücktretenden Vorstandmitglieder, ..“die dazu beigetragen haben, dass unser Vereinsleben so gut geklappt hat“. Neben Gründungspräsident Hans Christen, dem sie für das grosse Engagement und den persönlichen Einsatz auf allen Feldern der Vereinstätigkeit dankte, verabschiedete sie Vreni Nydegger, die seit der Gründung 17 Jahre lang die Kasse führte und..“sich stets liebevoll um alles kümmerte“. Seit sieben Jahren amtete Paul Naef im Vorstand, half bei der Organisation von Anlässen und baute Informatik und Internetauftritt auf. Rosina Berberat führte seit 2006 das Sekretariat und war für Einladungen und Programm zuständig. Im Kreise der rund 90 Beteiligten der Generalversammlung anwortete Hans Christen für alle Zurücktretenden: „Dank guter Zusammenarbeit konnten wir viel wagen. Offenbar ist es Panther-Art, lange Zeit an der wichtigen Aufgabe mitzuwirken, in unserer Gesellschaft Resonanz für das Alter zu wecken.“ Er hätte, so fügte er an, in seinem Leben viel verpasst, wenn er die Grauen Panther Solothurn nicht gegründet und über 20 Jahre an den jährlich rund 20 Veranstaltungen mit interessanten Referenten begleitet hätte.

„Wir freuen uns auf die Weiterarbeit“

Neubesetzungen und eine Rochade gab es auch bei den acht Vorstandschargen. Gewählt wurden Lilly Affolter (Aktuariat, neu); Silvia Wälchli (Kasse und Informatik, neu); Doris Schumacher(Organisation und Einsitz in der Dachorganisation VASOS, neu), Anna Stadelmann (Vertretungen in Seniorenrat, diversen Fachkommissionen usw., bisher), Ruth Bur (Vertretung von Pro Senectute mit beratender Stimme,

Quelle: Solothurner Zeitung vom 21.März 2012

Ein verlängertes leben sinnvoll leben

Wie ältere Semester mit den „gewonnenen Jahren“ einer längeren Lebenserwartung umgehen könnten, zeigte ein Referat vor den Grauen Panthern Solothurn auf.

von GUNDI KLEMM

Bis zur Umsetzung der AHV 1948 und auch noch darüber hinaus waren betagte Menschen, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, überwiegend materiell abhängig von der nachfolgenden, jüngeren Generation.

Referentin Heidi Witzig, Historikerin und Buchautorin aus Winterthur, zeichnete ein Bild dieser Zeit, die viele Mitglieder der Grauen Panther – in den fünfziger Jahren noch junge Leute – gut in Erinnerung haben. Menschen im Lebensabend galten – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr viel in der tätigen Gesellschaft. «Wenn du alt bist, dann gib Ruhe», wurde selbstverständlich erwartet.
Dennoch gibt es Probleme
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern lag seinerzeit bei 67 Jahren, was nach der Pensionierung mit 65 Jahren einen kurzen Ruhestand bedeutete. Seither haben sich die Verhältnisse gewaltig geändert. Die Lebenserwartung ist für beide Geschlechter und insbesondere für Frauen deutlich angestiegen. Inzwischen haben sich zum Glück auch die Rahmenbedingungen nachhaltig verändert. Die «best» oder «golden agers» sind mehrheitlich monetär gut ausgestattet und höchst attraktiv für die Wirtschaft, wie Heidi Witzig temperamentvoll ihrer grossen Zuhörerschaft an Beispielen vor Augen führte. Ein Drittel der Pensionierten lebt von der AHV und beantragt deshalb Ergänzungs-leistungen, ein Drittel sei dank zusätzlicher Pensionskasse gut gestellt, und ein Drittel dürfe sich an viel Vermögen freuen, bezifferte die Referentin die finanzielle Ausstattung. Aber Probleme gebe es dennoch, sagte Witzig mit Blick auf «Zwei-Klassen-Medizin» und Entwicklung der Pflegekosten. «Mischen Sie sich deshalb in die Diskussion ein und wehren Sie sich gegen Zumutungen.»

Das Grossmütter-Manifest
Die Stellung der Frau verbesserte sich seit den 1970er-Jahren. Die Rollenverteilung in der Familie hat sich vorteilhaft verändert und billigt längst auch älteren Frauen Teilhabe an der Gesellschaft zu. Frühere Altersleitbilder entsprechen heutigen Lebensgewohnheiten nicht mehr. «Heute jedoch ist aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen gefordert», fasste Heidi Witzig die aktuelle Stossrichtung zusammen. Bei den jungen Alten werde sogar «eine Verpflichtung zu gemeinnützigen Einsätzen» postuliert. Eine lose Bewegung von rund 200 Frauen im Pensionsalter, darunter zahlreiche ehemalige Politikerinnen, trifft sich laut Referentin in regelmässigen Abständen, um über Altersbilder und über einen gemäss Manifest «gemeinsamen Aufbruch zu einem Alter in Würde und Freude» nachzudenken. Man müsse der Öffentlichkeit bewusst machen, wie ältere Menschen behandelt werden möchten. Individuell wolle man selbst definieren, wie man sich als Seniorin in die Gesellschaft einbringen und was man anbieten wolle: etwa Betreuung von Kindern, Enkeln und Angehörigen oder die gegenseitige Unterstützung alternder Frauen.

Grossmütter als Revoluzzer
Denn nicht alle bleiben bis ins hohe Alter gesund und leistungsfähig. Die «Grossmuetterrevolution» (s. Internet) mit Treffpunkt Zürich und Ablegern in der Romandie und im Tessin, die übrigens Förderung aus dem Migros-Kulturprozent erhält, möchte mit einer Zukunftskonferenz eine soziale und politische Diskussion anstossen, damit Frauen ihr Älterwerden nach eigenen Wünschen gestalten und sich rechtzeitig mit geeigneten Wohn- und Betreuungsformen auseinandersetzen können. Panther-Präsident Hans Christen nahm dies als Anregung auf, um demnächst in Gesprächskreisen Fragen zur letzten Lebensspanne zu erörtern. In der anschliessenden Aussprache hiess es, dass die oftmals mit Scham besetzte Beantragung von Ergänzungsleistungen vereinfacht werden sollte, da das jeweilige Einkommen der Steuerbehörde sowieso bekannt sei.

© Solothurner Zeitung ¦ Ausgabe vom 08. März 2012

Wer mit der Depression ringt

Wenn ein Zustand von Trauer, Energieverlust, Antriebs- und Freudlosigkeit über längere Zeit andauert, sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Oberarzt Christian Imboden von der Psychiatrischen Klinik stellte den Grauen Panthern Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten vor.

VON GUNDI KLEMM

Es ist ja nicht so, dass die Angehörigen der Grauen Panther und ihre Gäste, die den Saal im Volkshaus bis zum letzten verfügbaren Sitz füllten, kaum Ahnung von der Volkskrankheit Depression hätten. Ganz im Gegenteil, denn dazu tritt diese seelische Erkrankung in unterschiedlichster Ausprägung zu häufig auf. Jede sechste Person leidet irgendwann in ihrem Leben an Symptomen einer Depression. Diese äussert sich in vielfältigen Störungen im psychischen Bereich. «Wenn man sich morgens schon nicht aufraffen kann, wenn man sich selbst mit Grübeln quält, nachts nicht schlafen kann und an nichts mehr Freude hat, sollte ein Arzt aufgesucht werden», riet Mediziner Christian Imboden, der als Oberarzt der Abteilung Angst und Depression an der hiesigen Psychiatrischen Klinik tätig ist. In ihren Ursachen bezüglich biologischem, psychologischem und sozialen Anteil sei die Depression sehr intensiv erforscht, so Imboden. Zu nennen ist eine genetische Belastung, Schilddrüsenprobleme, die offenbar chemische Vorgänge im Gehirn beeinflussen können, Medikamente und lang anhaltende Schlafstörungen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen und auch zu körperlichen Symptomen führen.

Was die einen aus der Bahn wirft
Psychologisch betrachtet sind nicht alle Menschen gleichermassen stressresistent: was den einen nicht aus der Bahn wirft, erschüttert den anderen bis ins Mark wie etwa Verlusterlebnisse, Mobbing, fehlende Anerkennung, Isolation, aber auch Migration oder Haft als soziale Gründe. Traumatisierungen durch Gewalt und sexuelle Übergriffe können depressive Reaktionen genauso begünstigen wie Bindungsstörungen in der Kindheit. Generell erkranken Frauen drei Mal häufiger als Männer, bei denen indes die Suizidrate höher ist. Übrigens: Depressionen im Alter sind nicht häufiger als in den übrigen Lebensabschnitten, nur die Risikofaktoren wie etwa Trauer über den Tod von Angehörigen nehmen zu.

Behandlung hilft
Festgestellt ist, dass gewisse Neurotransmitter wie Serotonin, die für die nervliche Signalübertragung im Hirn zuständig sind, bei depressiven Menschen gering sind. Die Medizin kann diesen Mangel durch die Gabe von Antidepressiva ausgleichen. In leichten Fällen genügt laut Referent schon Psychotherapie. Leider sei diese Krankheit deutlich «unterdiagnostiziert». Hier wäre eine soziale Entstigmatisierung hilfreich, denn immerhin jeder sechste Erkrankte hat sich bereits mit Selbstmordgedanken beschäftigt. Ein wichtiges Rezept, um im Alter die mentale Balance zu halten, bestehe in regelmässiger Bewegung. Schon eine halbe Stunde tägliches Spazierengehen und zwei Mal wöchentlich ein angepasstes Beweglichkeits- und Krafttraining brächten nachweisbare Effekte in Körper und Seele. Sportler kennen bekanntlich das Glückshormon, das als Folge des Trainings wie ein Stimmungsaufheller wirkt.

Im Anschluss vertiefte Julia Linder, Fachfrau bei Pro Senectute, die Ratschläge mit eingestreuten praktischen Beispielen, um bis hoffentlich ins hohe Alter dank regelmässigem Training leistungsfähig zu bleiben. Ab 70 Jahren nämlich nimmt die Kraft pro Jahrzehnt um 30 Prozent ab. Abschliessend warb sie für die eintägige Ausbildung zum «Bewegungscoach», die von Senioren absolviert werden kann, um Gleichaltrige fit zu halten.


© Solothurner Zeitung | Ausgabe vom 2. Febr. 2012