Kriegschirurgie mit dem IKRK in Zentralafrika

Der Chirurg Andreas Allemannn berichtet über seine Arbeit in Kriesengebieten.

 von Gundi Klemm  Schon als jungen Mann haben Leben und Aussagen von Albert Schweitzer den heute 51-jährigen Solothurner Mediziner Andreas Allemann geprägt. Angesichts des weltumspannenden Leids sagte der Gründer des bekannten Urwaldspitals in Lambarene dem Sinn nach: «Die ganze Welt ist nicht veränderbar, aber jeder von uns kann einzelnen Menschen etwas Gutes tun». Nach der Matura 1983 in Basel habe er sich, so Allemann, fürs Medizinstudium entschieden, habe so häufig wie möglich Reisen in Länder der Dritten Welt unternommen und wesentliche Orientierung auch durch seine Frau Susanne erfahren, berichtete er am Vortragsnachmittag der Grauen Panther. Sie wuchs nämlich in Ghana als Kind eines britischen Entwicklungshelferpaars auf und bestärkte ihn in seinem Engagement. Nach Staatsexamen und Facharztausbildung übernahm Allemann für zwei Jahre bis 2004 die chirurgische Leitung des Albert-Schweitzer-Hospitals in Haiti. Hier habe er sich neben seiner Fachdisziplin dem gesamten Spektrum medizinischer Leistungen widmen können. Dorthin mitgereist für die Dauer des Aufenthaltes waren seine Frau und seine drei Kinder. Danach gründete er gemeinsam mit zwei Kollegen die seither bestehende Praxis in Solothurn.

«Ehrfurcht vor dem Leben» Das Wirken des grossen Elsässers Schweitzer, der die «Ehrfurcht vor dem Leben» zum Leitgedanken seines Handelns machte, habe ihn nachhaltig beeinflusst. Er weigere sich, die zum Teil verheerende medizinische Versorgung in Entwicklungsländern so einfach hinzunehmen, besonders dann, wenn Unruhen und Bürgerkriege die dortigen Menschen zusätzlich belasten. Schon 2004 besuchte er deshalb einen vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) veranstalteten Kurs über «Kriegschirurgie». Studienreisen in den Tschad und nach Ghana bestärkten ihn in seinem Vorhaben, Hilfe zu leisten. Seit 2014 gehört er dem Chirurgen-Pool des IKRK an, das gegenwärtig sechs chirurgische Grosseinsätze im Kongo, Südsudan, Mali, Libanon, Afghanistan und in der Zentralafrikanischen Republik aufwendig organisiert. Allemann erläuterte seinem Publikum die politische Lage und die Lebensbedingungen dieses 4,5 Mio. Menschen zählenden Landes im Herzen von Afrika. Nach der überstürzt vollzogenen Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1958 wurde das siebtärmste Land der Welt immer wieder durch Bürgerkriege erschüttert.

Ein Land im Chaos

Diktatoren wie der berüchtigte Bokassa kamen im Land an die Macht, das durch zahlreiche Putsche erschüttert wurde. Man könne sich ernsthaft fragen, ob angesichts des überhaupt nicht funktionierendes Staates ein Verbleiben unter kolonialen Strukturen dem heute von internationalen Friedenstruppen unterstützten Land nicht besser getan hätte, meinte der Mediziner vorsichtig. Da es tagtäglich in der an den Kongo grenzenden Zentralafrikanischen Republik zu Unruhen und Kampfhandlungen komme, sei gerade die Chirurgie für die vielen Schwerverletzten eine lebensrettende Massnahme. Für seinen Stützpunkt im Spital der Hauptstadt Bangui hat das IKRK die gesamte medizinische Ausrüstung eingeflogen und ist bemüht, die hygienischen Standards durchzusetzen. Allemann schilderte nach seinem vierwöchigen Einsatz zu Jahresende 2014 anschaulich, wie Arbeitsbedingungen, Leben und Sicherheitskonzept des dortigen ausländischen Teams im Auftrag des IKRK aussehen. Fotos zeigten, welche gewaltigen Aufgaben und welche Patientenschicksale täglich im Operationssaal warten.

Immer wieder beeindruckt

Bei Nachfragen interessierten die Grauen Panther die Gründe für den schlechten Zustand des Landes, dessen reiche Diamantenförderung beispielsweise von Händlerkartellen ausser Landes gebracht wird. «Trotz ihrer eigentlich verzweifelten Situation, die mich immer wieder betroffen macht, sind die dortigen Menschen von einem besonderen Willen beseelt, jeden Tag für ihre Familie und sich irgendwie zu bewältigen », unterstrich Andreas Allemann deren Lebensmut. Wenn es mit seiner eigenen Praxis vereinbar ist, will er sich 2016 wieder in einen Einsatz delegieren lassen.

az Solothurn, 18.05.2015

Diese „Grauen Panther“ braucht es einfach

Die Generalversammlung der 22 Jahre bestehenden Organisation  bestellte ihr Vereinsschiff neu

Von Bord geht Hans Rüd, der bisherige „Kapitän“ der Grauen Panther Solothurn. Vorerst ad interim übernimmt „Kassenwartin“ Silvia Wälchli seine präsidialen Aufgaben. Rüd wurde als Dank für seine Verdienste um den aktuell 323 Mitglieder zählenden Verein zum Ehrenmitglied ernannt.

Von Gundi Klemm

Weit über 80 Mitglieder nahmen an der 22. Generalversammlung teil und gedachten der 17 letztjährig verstorbenen Mitglieder. Beim Blick in den überaus gut besetzten Saal im „Volkshaus“ konnte der scheidende Präsident Hans Rüd befriedigt feststellen: „Uns Graue Panther braucht es einfach:“ Denn wie sein Jahresbericht zeigt, bietet die Organisation alljährlich nicht nur 21 öffentliche Vortragsanlässe- 2014 besucht von 1200 Personen- zu einer breiten Themensammlung, sondern Gruppen für Spiele, Wandern, Konversation in Englisch und Französisch sowie die Mitarbeit in unterschiedlichsten Projekten.

Eines davon ist die fast schon kantonsweit stattfindende Seniorenhilfe in der Schule, wo inzwischen 106 Seniorinnen und Senioren Lehrkräfte in Primarschule und Kindergarten unterstützen. Weiter zu nennen als Abkömmling der Grauen Panther ist der Quartierverein Weststadt, der sich um die Aufwertung dieses Ortsteils und eine bessere Integration älterer Menschen bemüht. Mit Nachdruck setzt sich die Vereinigung für sozial-politische Initiativen ein manche über die Jahre initiiert vom Partnerverein Graue Panther Olten, wie dessen Mitglied Ernst Gomm in seinem Grusswort betonte. Gepflegt werden mit Delegierten vielfältige Beziehungsnetze zu gerontospezifischen Arbeitsgruppen, zum Seniorenrat, zur Fachkommission Alter, zur Altersfachstelle Pro Senectute und zu schweizerischen Schwesterorganisationen.

„Für mich eine schöne Zeit“

Vizepräsidentin Irène Privé ehrte Hans Rüd in gereimter Form. So war zu hören, dass er nach der Amtsübernahme von Vorgänger Hans Christen die Vorstandsarbeit anforderungsreich im Ressortsystem gestaltete, aber auch ein gutes Einvernehmen unter allen Mitarbeitenden schuf. „Für mich war es eine schöne Zeit“, bekräftigte Rüd, der allen dankte, die sich für die Sache der Grauen Panther engagieren.

Mit „als Ehrenmitglied kannst du prahlen, denn du musst keinen Beitrag mehr zahlen“ wurde Hans Rüd zum 4. Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Wie an jeder Panther-Versammlung stellte sich Silvia Wälchli, die neue Präsidentin ad interim, zuerst mit ihrem Kassenbericht und dem Voranschlag mit unveränderten Mitgliederbeiträgen vor. Erst wenn statt ihr eine neue „Finanzerin“ gefunden ist, soll sie regulär als Präsidentin gewählt werden. Den Vorschlag ihres Lebenspartners Dieter Loose, von ihr jetzt das Rechnungswesen zu übernehmen, betrachtete die Versammlung doch eher als Scherz. Der Vorstand besteht neben Wälchli und Privè aus Anna Hartmann, Rosmarie Ledermann, Fidel Grüninger, Otto Naef und weiteren Beisitzern. Das Revisorat betreuen Paul Flühmann, Ernst Zürcher und in Stellvertretung Susy Wanner. Als letzte Amtshandlung informierte Anna Stadelmann, die das Präsidium des Solothurner Seniorenrats an den Mediziner Hans Kurt übergeben hat, über den geplanten Seniorentag am 29. April.

Und danach freuten sich alle Anwesenden im Vorgriff auf das am 31. März stattfindende Jubiläum „2×11 Jahre“ am Konzert der 3. Klasse aus dem Hermesbühlschulhaus, geleitet von ihrer Lehrerin Corinne Kaiser.

az Solothurn vom 19.03.2015

Tipps gegen den Herbstblues

„Pflegen Sie soziale Kontakte regelmässig“

Graue Panther Solothurn mit Referat und Tipps gegen den „Herbstblues“

Was ist unter Herbstblues zu verstehen?  Ein mehr oder minder ausgeprägtes Stimmungstief, das bei einigen Menschen auch durch sonnenloses, grau vernebeltes Wetter hervorgerufen wird. Was man dagegen unternehmen kann, war Thema des von über 100 Personen besuchten Vortragsnachmittags im Rahmen der Kantonalen Aktionstage Psychische Gesundheit.

von Gundi Klemm

Mit Freude stellte Manuela Meneghini (Kant. Gesundheitsamt), die diesen Anlass gemeinsam mit Graue-Panther-Vorstandsmitglied Rosemarie Ledermann organisiert hatte, in einleitenden Worten fest, dass das Publikum nicht nur aus der älteren Generation sondern aus vielen Altersstufen besteht. Denn „Herbstblues“ sei ein verbreitetes Phänomen. Als kommunikativ mitreissender Referent richtete sich Mediziner Rolf Heim (Holderbank/Aargau) vor allem an seine älteren Zuhörer, weil die saisonal auftretende Herbst-Winter-Depression mehrheitlich doch sie betreffe. Dialogisierend mit seinem Publikum brachte er vielerlei Belastungsaspekte als Gründe für den „Herbstblues“ in Erfahrung. Genannt wurden Alleinsein, schlechtes Wetter und fehlendes Sonnenlicht, vielfältige Verlusterlebnisse bezüglich Partner, Angehörigen und Freundeskreis, Angst vor der Zukunft und gesundheitliche Einschränkungen. Als Psychiater verdeutlichte Heim dies mit Beispielen seiner Patienten, für die das plötzliche Fehlen von Bezugspersonen neben Trauer häufig auch gesellschaftlichen Rückzug und Einsamkeit bedeutet habe.

„Wofür soll ich eigentlich morgens aufstehen?“, frage sich mancher ältere Mensch, dem Sinn und Verankerung im Leben abhanden gekommen sind. Um sich gegen diese schleichend-pessimistische Entwicklung zu stemmen, sollte man seine sozialen Kontakte regelmässig pflegen, um sich mit Treff- und Fixpunkten innerhalb der Woche persönlich aufzubauen, betonte der Arzt ein tagtägliches „Kümmern um die Gesellschaft“. Die anwesenden Grauen Panther zählten dafür vielfältige Beispiele auf, die von freiwilliger Arbeit wie „Senioren in der Schule“, Hilfe bei Mittagstisch und Mahlzeitendienst, Besuchen bei Altersheim-Bewohnern, Vereinsmitgliedschaften, Training in  Fitness-Studios, begleiteten Reisen bis hin zum gemütlichen Zusammensein im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst reichten. „All dies bietet uns eine Fülle psychohygienischer Vorteile“, ermunterte Heim, sich etwa als „Leih-Oma“ zur Verfügung zu stellen oder als Nicht-Haustierbesitzer zu Spaziergängen mit Hundehaltern zu verabreden und auch Tierbetreuung zu übernehmen. Ein eigenes Haustier, für das man sorgen und mit dem man reden könne, sei für die seelische Gesundheit sowieso das Beste. „Unser Verhalten trägt ganz wesentlich zu unserer Befindlichkeit bei“, betonte er diese Wechselwirkung und ermutigte dazu, seine Mitwelt häufiger anzulächeln. Und: „Planen Sie Ihre Aktivitäten und führen sie durch, auch wenn Sie mal keine Lust dazu haben“.

Liebevoll zu sich selbst sein

„Versuchen Sie, ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln“, riet er seinen Zuhörenden mit der Devise: „Ig bi scho rächt“. „Orientieren Sie sich, jetzt da Sie älter werden, am Bild der von Erfahrung vollen Scheuer und nicht am abgeernteten Feld“, mahnte er, das eigene Bild und die gesamte Lebensleistung liebevoll zu betrachten und sich selbst auch mal anerkennend auf die Schulter zu klopfen. In einer Zeit des Jugendwahns, die Alter und damit gewonnene Einsichten kaum noch beachte, sei es wichtig, sich selbst und den eigenen Körper bewusst wertzuschätzen.

az Solothurn vom 06.11.2014

Wenn der Fuchs auf Schuhe scharf ist

Wildtiere in der Stadt Mark Struch, Wildbiologe, zu einem Phänomen, das auch Solothurn zunehmend beschäftigt

von Gundi Klemm

„Erinnern Sie sich noch an den Fuchs vom Glutzenhübeli, der vor etwas mehr als zwei Jahren ein besonderes Hobby pflegte?“, begrüsste Graue-Panther-Präsident Hans Rüd die über 40 Zuhörenden zum Vortragsnachmittag. In dessen Fuchsenhöhle fand man nämlich 65 Schuhe, die Meister Reineke bei seinen Streifzügen durch die Stadt Solothurn gesammelt hatte. Unvergessen dürfte auch sein, dass eine Rotte Wildschweine immer wieder versuchte, den Autobahn-Zaun südlich von Obergerlafingen zu durchbrechen, um auf die andere Waldseite zu gelangen. Die heutige Wildbrücke über die Autobahn, einen Kilometer südlich auf dem Gebiet von Utzenstorf, lässt Tiere inzwischen gefahrlos passieren. „Denn seit alters her brauchen die Fernwanderer unter den Wildtieren, dazu zählen Wildschweine, aber auch Rehe, Hirsche, Luchse und neuerdings auch Wölfe eine durchlässige Landschaft“, beschrieb Wildbiologe Mark Struch vom kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei mögliche Konfliktpunkte mit Siedlungs- und Verkehrswesen. Deshalb sei es wichtig,m sogenannte Wildkorridore zu schaffen. Im Kanton Solothurn seien allerdings Dreiviertel dieser Korridore nicht funktionsfähig, mahnte Struch zukünftige Aufgaben an. Es bestehe Handlungsbedarf, die weitere Zerschneidung der Landschaft zu verhindern.

Schutz und Nutzen

Wie die Grabungen in Sutz-Lattrigen am Bielersee zeigen, waren die hiesigen Menschen seit der Jungsteinzeit (8000-4000 v. Chr.) auf Wildtiere als Lieferanten von Fleisch, aber auch von vielfältigem Material für Kleidung (Felle/Leder), Sehnen, Knochen, Geweih zur Herstellung von Werkzeugen angewiesen. „Sie waren Bauernjäger mit Pfeil und Bogen“, erläuterte Struch deren sorgfältige Verwertung ihrer Jagdbeute. Zur Ausrottung vieler Tierarten ausser den Gämsen habe das Aufkommen von Schusswaffen geführt, bis endlich 1876 ein bundesweit gültiges Jagdgesetz die Grundlagen für Schutz und Nutzen sowie Regulierung der Wildtier-Bestände legte. Mehrheitlich seien die heutigen Wild-Populationen durch Zuwanderung aus den Nachbarländern entstanden.

Berliner Luft für Wildschweine

Mit Bildern aus Berlin zeigte Struch, wie sich ganze Wildschweinkolonien in Stadt und Umland gemütlich eingerichtet haben. Im Abfall finden sie als anpassungsfähige Kreaturen genügend Nahrung, fallen aber unangenehm auf, wenn sie in einer Nacht etwa Sportplätze, Wiesen und Ackerland völlig umpflügen. Offenbar sind die Schweine so geschickt im Verstecken, dass eine regulierende Jagd wenig ausrichtet. „Auch bei uns zeigt sich am Verbiss und an Feldschäden, wenn Hufwild-Populationen zu gross werden“, unterstrich der Referent.

Toleranz von beiden Seiten

Wildtierkameras zeigen, dass es besonders nächtlich in unseren Städten und manchen Gärten sehr lebhaft zugeht. Füchse haben sich laut Struch seit etwa 20 Jahren ganze Stadtreviere zu eigen gemacht. Man rechne mit 10 Füchsen auf 100 Hektaren. Füttern soll man sie aber keinesfalls, warnte der Wildbiologe vor falscher Tierliebe. Denn der Fuchs sei häufig Ueberträger von Krankheiten wie Räude als durch Milben verursachte Hautkrankheit, Staupe, die als Viruserkrankung das Zentralnervensystem auch von Hunden und Katzen befällt, für den stark verbreiteten Fuchsbandwurm und schliesslich die Tollwut. Gegenwärtig sei die Schweiz aber zum Glück tollwutfrei. Für Menschen bestehe keine Gefahr, wenn mit Wurmeiern verschmutzte Waldbeeren oder Salat aus dem Garten gewaschen werden. Kothaufen sollten entfernt und nicht von Haustieren gefressen werden. Haustiere könne man mit Entwurmung und vor allem Impfung (Staupe, Tollwut) schützen. Auch ausgelegte Entwurmungsköder führen laut Wildbiologe zu gewissem Erfolg. Anfällig gegenüber diesen Krankheiten seien zudem andere Wildtiere wie Luchs, Wildschwein und Gämsen.

Lästige Marder und Dachse

Längst hat sich der verloren geglaubt, geschützte Biber wieder als Landschaftsgestalter angesiedelt. Wenn er nicht gerade Keller überflute, Strassen und Dämme unterhöhle, sei er sehr willkommen, befand Struch, der aber eine Bestandesregulierung nicht ausschloss. Die unterirdische Bauten in Gärten anlegenden Dachse könne man ebenso wie Zündkabel anknabbernde Marder mit im Handel erwerbbaren Duftstoffen vertreiben. „Schadensverursacher kann man mit vielerlei Mitteln vergrämen“, riet der Vortragende. Hausmarder, die gerne auf Dachböden wohnen, veranstalten in der Regel nur während der Paarungszeit viel Lärm. „Mit unseren heutigen Möglichkeiten ist das Nebeneinander von Mensch und Wildtier durchaus möglich, wenn wir gewisse natürliche Eigenarten akzeptieren.“

Rücksicht auf die Tiere nehmen

Der heutige „Freizeitmensch“, der als Skifahrer, Mountainbiker, Läufer tief in Wälder und Rückzugszonen für Wildtiere eindringt, sollte sich an bestehende Regelungen zum Schutz der Tiere halten, bekräftigte der Biologe, um vielerlei Risiken für die Tierwelt zu vermeiden. „Zahlreiche Konzepte, Management und Rechtsverbindlichkeiten sorgen für einen sicheren Rahmen im Zusammenleben von Mensch und Tier.“ Ob eigentlich regelmässig veranstaltete Waldkindergärten nicht auch für eine deutliche Störung sorgten, fragte eine Zuhörende. Hier gelte es abzuwägen, lautete die Antwort aus dem Plenum und vom Referenten: Erziehung der Kinder zur Achtung der Natur sei ein ebenso wichtiger Wert.

az Solothurn Donnerstag, 9. Oktober 2014

Wenn im Alter das Geld knapp wird

Früher bedeutete Alter für Senioren oftmals Armut. Heutzutage hat sich laut Referent Remo Waldner von Pro Senectute die finanzielle Situation deutlich verbessert.

von Gundi Klemm

Als langjähriger Berater und Fachstellenleiter von Pro Senectute in Grenchen ist Sozialarbeiter Remo Walder mit der finanziellen Lage bestens vertraut. Sein Rat an seine 36 Zuhöhrenden am Informationsanlass der Grauen Panther Solothurn lautete: „Lassen Sie sich nur aus erster Hand von Fachpersonen informieren und nicht etwa durch Gerüchte. Jeder Fall liegt anders. Die finanzielle Ausstattung im Alter sollte individuell bezüglich zusätzlicher Leistungen geklärt werden.“

Walder erläuterte das schweizerische Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge, das eigentlich Armut im Alter verhindern soll. Doch verschiedenste Risiken wie ungenügendes Grundeinkommen, Verluste an Vermögenswerte, Krankheit und Heimaufenthalte können dazu beitragen, dass einige Mitglieder der Seniorengeneration nicht so ganz sorgenfrei leben können. Dies auch, weil Vermögen hierzulande ungleich verteilt ist.

Wer was beanspruchen kann

Da jede Person gesetzlichen Anspruch darauf hat, dass Not gelindert wird, springt die staatliche Vorsorge ein – beispielsweise mit Ergänzungsleistungen (EL) bei zu wenig Rente aus AHV und beruflicher Vorsorge und erhöhtem Pflegebedarf. Die EL-Berechtigung sorgt im Kanton Solothurn auch für die Verbilligung der Krankenversicherungsprämien. „Die EL sind keine Almosen, sondern ein flexibler Bestandteil der AHV, um ein würdevolles Leben zu ermöglichen“, unterstrich der Sozialarbeiter.

Was zusätzlich möglich ist

Wenn die Steuerbehörde feststelle, dass das Jahreseinkommen unter 29’000 Franken fällt, wird sie von sich aus aktiv und verschickt die Antragsformulare. Anhand von Rechenbeispielen zeigt Remo Waldner, wann und unter welchen Bedingungen zusätzlich eine Hilflosenentschädigung beantragt werden sollte, die er lieber als „Pflegeaufwand-Entschädigung“ bezeichnen würde. Er streifte kurz Betreuungsgutschriften – jährlich bei der Ausgleichskasse zu beantragen -, die ein fiktives Einkommen des pflegenden Angehörigen errechnet, damit sich später dessen Rente um diesen Betrag erhöht.

Finanzierung des Heimaufenthalts

Offenbar gibt es dazu in der Bevölkerung allerlei Aengste, weil viele Menschen davon ausgehen, dass das Geld angesichts der Kostenhöhe nicht reicht. Waldner befreite sein Publikum von derartigen Vorstellungen, indem er genau auflistete, welche Unterstützungsmöglichkeiten durch sogenannte „Fremdzahler“ in Anspruch genommen werden können. Wenn ein Ehepartner wegen Erkrankung in einem Heim lebt, ist das weitere Wohnen des anderen in einer Wohnung – vielleicht in einer etwas kleineren und günstigeren – weiterhin gewährleistet. Dazu wird eine transparente Finanzierung erstellt, die auch den Vermögensverzehr moderat einbezieht. „Ich habe aber noch nie erlebt, dass ein Haus verkauft werden muss, weil ein Ehepartner ins Heim wechselt“, unterstrich der Referent.

Wenn allerdings beide Ehepartner in einer Einrichtung leben, werde die Liegenschaft in der Regel verkauft. Schenkungen oder frühzeitige Ueberschreibungen von Haus und Grund etwa an Erben, so erläuterte er, werden zum Vermögen dazugerechnet und mindern Ansprüche, sofern Lücken in der finanziellen Alters-Ausstattung auftreten. Auch dann fällt aber niemand durchs Netz, weil die Sozialhilfe greift.

Kinder in sehr guten Einkommensverhältnissen können als Verwandtenunterstützung zum Mitzahlen herangezogen werden. Diese Pflicht beginnt für Alleinstehende bei 120’000 Franken, für Verheiratete bei einem jährlichen Einkommen von 180’000 Franken mit maximal 300 Franken monatlich.

az Solothurn Donnerstag, 5. Juni 2014