Steuervorlage 17 – Senioren sind besorgt

«Sehr besorgt» wenden sich die Grauen Panther Olten und Solothurn in einem offenen Brief an den Solothurner Finanzdirektor Roland Heim. Die Seniorenvertreter befürchten, dass die im Rahmen der Steuervorlage 17 versprochene steuerliche Entlastung tiefer Einkommen ungenügend ausfällt. Am Dienstag hatte der Regierungsrat seinen Vernehmlassungsentwurf für die Umsetzung der Steuervorlage im Kanton vorgestellt. «Der Entwurf bestätigt unsere Befürchtung», schreiben die Grauen Panther.

In nur ganz wenigen Kantonen ist die Steuerbelastung für tiefe Einkommen bis 55000 Franken höher als im Kanton Solothurn. Betroffen sind viele Rentnerinnen und Rentner. «Wir erwarten von Ihnen, sehr geehrter Herr Finanzdirektor, in der Steuervorlage 17 die Belastung der unteren Einkommen, so auch der Rentner/innen zu entlasten und diesen ein würdiges Leben in unserer Gesellschaft zu garantieren», schreiben die Grauen Panther. «Rentner/innen sollten durch ihre Steuerbelastung nicht unter das Existenzminimum zurückgeworfen werden.»

Besorgt zeigen sich die Grauen Panther in ihrem offenen Brief auch, weil durch die Steuerreform die Unternehmen steuerlich stark entlastet werden, was zu Dutzenden Millionen Franken Ausfällen in der Kantons- und den Gemeindekassen führt. «Wir befürchten, der Steuerausfall durch die Entlastung der Unternehmen werde zum grossen Teil durch die natürlichen Personen kompensiert werden müssen», so die Grauen Panther. Sie appellieren an die Politiker: «Wir vertrauen auf das umsichtige Handeln der Regierung und des Kantonsrates.» (szr)

Hommage an die Grauen Panther der „Gääle Daggel“ von der Basler Fasnacht 2016

Basler-Fasnachts-Zeedel 2016 vo de «Gääle Daggel»

Aapasst uf d’Solethurner Panther vo dr Irène Privé

Vorgetragen vom „Chlyne Pantherli“ anlässlich der GV 2018

E Gruppe git’s, wo unterschtützt und im Auter dir au nützt

„Thirty Shades of Grey“

Gsesch nümm guet und ghörsch nümm guet und chasch nümm ganz schnäu loufe?

Hesch für’s Zytigläse dir e Brüue müesse choufe?

Loht ’s Gedächtnis no, duesch Züg vrgässe, duesch dr Bluetdruck mässe

und scho mängi Püue frässe?

Zwickt dr Rügge und ou d’Chnöi? Hei dyny Hoor e „Shade of Grey“?

Denn isch’s so wyt, du merksch es baud,

du bisch nümm jung, nei, jetz wirsch aut.

Lang ha-n-i das ganz guet vrdrängt, as Öuterwärde gar nie dänkt,

ha gmeint, i blyby ewig knackig, geischtig fit und physisch zackig.

Sit churzem weiss i’s jetz genau: i bi nümm grien – i bi jetz grau:

Do schtoh-n-i doch im Bus und lach‘ – so wie-n-i das doch immer mach‘ –

e junge Ma aa, wo dört sitzt – er lächlet zrugg, so ganz vrschmitzt –

und seit mr sanft – Madame hallo – „sitzet ane, i cha schtoh!“

E Schock isch’s gsi! I säg’s nid gärn, aber z’lüüge lyt mr färn:

Si sy vrby, die junge Joor, und plötzlech chumm i aut mir vor.

Merksch plötzlech, dass’s nümme so lang goht, bis s’Auter vor dr Türe schtoht?

Wie lang bisch de scho nümm go tanze? Sit wenn hesch du dä Wouschtandsranze?

„Weisch no früecher?“, ghörsch dy froge — das sy Zeiche – dasch nid gloge.

Aber muesch nid trurig sy, ’s Läbe isch no nid vrby.

E Gruppe git’s, wo unterschtützt und im Auter dir ou nützt.

‚S sy aues Auti y däm Clan … und no aktiv, es isch dr Wahn.

„Graui Panther“ heisst das Chörli – gä tuet’s die scho ganz mängs Jöhrli.

Föifezwänzg Johr scho graui Chatze mit scharfe Chraue a de Tatze.

Mitglid wärde, sett ganz schnäu, wär graui Schträhnli hett im Fäu.

D’Mitglidschaft isch gar kei Froog, denn ’s Auter wird zur ächte Ploog,

wenn nid Lüt hesch, wo chasch troue – syges Manne oder Froue -,

wo di umgäh – ou y dr Not – und zämeblybe bis zum Tod.

Doch eis Thema bruucht no e Berootyg: Wie gseht’s de us mit dr Erotik?

‚S git doch im Auter ou no Daggle, wo gärn mit ihrem Schwänzli gwaggle.

Sex and Drugs and Rock’n’Roll findet me ou im Auter toll.

Vibra – schtatt so Rolatore – ohni Schamröti a de-n-Ohre!

Schtatt Bandage gärn Bondage – ça me plaît, même à mon age!

Drum müesse d’Panther duresetze, dass niemer gäge das tuet hetze,

dass die Junge nid tüe schimpfe und drwäge ’s Näsli rümpfe.

‚S git haut eifach schöni Sache, wo me bis zum Tod cha mache.

Wünsch gub’s no unändlech vüu – doch jede-n-öpis angers wüu –

drum haut i jetz dr Schnabu zue und gibe ganz schnäu wider Rue!

Ein beispielhaft aktiver Verein

Jahresversammlung

Die Grauen Panther Solothurn und Umgebung führten ihre 25. Generalversammlung durch

Von Gundi Klemm, Solothurner Zeitung

Der mit Beifall der 89 Mitglieder der Jahresversammlung bedachte Jahresbericht fasste die Arbeit von Graue-Panther-Präsidentin Silvia Wälchli und ihres Vorstands zusammen. Er zeigte auf, wie sich der seit 26 Jahren aktive Verein in die Gesellschaft einbringt und mit breit thematisiertem Vortragsprogramm, mit Unterhaltung, Kultur, Kurswesen, Wanderungen und Spielnachmittagen für ein gutes Beziehungsgeflecht mit zahlreichen auch politischen Vorstössen aus der und für die ältere Generation sorgt. Der scheidende Kassier Hartwig Roth, der seinen Nachfolger Roland Känel bereits ins Amt einführt, präsentierte eine ausgewogene Jahresrechnung über 13900 Franken mit kleinem Gewinn und einem Eigenkapital von 16500 Franken.

Das Budget fürs laufende Jahr sieht ohne Erhöhung der Mitgliederbeiträge einen ähnlichen Rahmen vor, wenn sich Fixkosten wie Saalmiete sowie die Entschädigungen der Referenten, die dank deren Entgegenkommen bisher tragbar blieben, nicht erhöhen. Vorgesehen ist eine Erneuerung der Vereins-Homepage. «Wir würden uns aber über zusätzliche Gönner freuen, die uns in sozialen Aufgaben unterstützen.» Die Präsidentin dankte Roth, der Mitglied im 300-köpfigen Verein bleibt, für Rat und Tat und seine finanzielle Umsicht. Sie verabschiedete mit herzlichem Dank Gründungpräsident Hans Christen, dem nun Bruno Fluri als Wanderleiter folgt.

Kampf gegen hohe Rentnersteuern

Die Versammlung war mit allen Wahlvorschlägen für den Vorstand einverstanden und bestätigte Silvia Wälchli als Präsidentin, Irène Privé-Rickli als Vizepräsidentin (Ressort Sekretariat und Programm) und mit klar beschriebenen Funktionen: Rosmarie Ledermann (Aktuariat), Anna Hartmann (Anlass-Organisation), Otto Naef (Website), Hans Rüd (Verbindung zu Senioren in der Schule als initiatives «Kind» des Vereins), Susy Wanner (Spielnachmittage), Kassier Roland Känel und Miguel Misteli. Sie vertritt die Grauen Panther Solothurn im Schweizer Seniorenrat und in der Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfe-Organisationen der Schweiz. Misteli orientierte über die Arbeit der eingesetzten Arbeitsgruppe, die sich mit Vorschlägen zur Senkung der Steuern beschäftigt. Denn seit 1994 bis 2014 sei in Solothurn die Steuerbelastung für ein Rentnerpaar mit einem Reineinkommen von 45 000 Franken um 116 Prozent gestiegen. Mit Blick auf andere Kantonshauptstädte sei hier die Belastung am höchsten. «Wir müssen aktiv werden, auch wenn der Regierungsrat wenig Gehör zeigte», so Misteli. Zu einem Diskussionsthema wurde die öffentliche Durchführung der Vortragsveranstaltungen, die Vereinsmitglieder platzmässig benachteiligen könnte. «Diese Anlässe sind aber als ‹Schnupper-Besuche» unsere beste Mitgliederwerbung», bekräftigte die Vizepräsidentin, die mit einer beifallbelohnten Hommage auf die Grauen Panther den geschäftlichen Teil abschloss.

Eine Gruppe der Musikschule Solothurn unter Leitung von Esther Fluor überbrachte danach ein musikalisches Ständchen.

Neue Postadresse: Graue Panther Solothurn und Umgebung, 4500 Solothurn.

www.graue-panther-so.ch

«Die Vortragsveranstaltungen sind als ‹Schnupper-Besuche› unsere beste Mitgliederwerbung.»

Die Fasnacht ist nicht totzukriegen

Von Katharina Arni-Howald, Solothurner Zeitung, 22.02.2018

Die Solothurner Fasnacht ist ein wichtiges Stück Stadtgeschichte. Davon ging Wolfgang Wagmann aus, als er die Grauen Panther mit einem unterhaltsamen Vortrag auf eine Reise in die alten und neuen Bräuche der Solothurner Fasnacht mitnahm.

Bereits im Mittelalter wurde die Fasnacht in Solothurn ausgelebt. «Es waren der rohe und derbe Umgangsformen, und die Obrigkeit hatte Mühe, die regelmässig überbordende Bevölkerung im Zaum zu halten», erinnerte Wagmann, einst Ober der Narrenzunft Honolulu, an ein längst verflossenes Zeitalter, als es an der Fasnacht zu Kriegszügen kommen konnte und Unmengen von Wein, Fleisch, Pasteten und Fasnachtsküchlein verspeist wurden. «Bei einer Fasnachtsvisite des Standes Schwyz verjubelte Solothurn 1486 umgerechnet 100‘000 Franken, oder den 16. Teil seiner Jahreseinnahmen!», brachte er das Publikum zum Staunen.

Der erste Umzug

Als sich 1530 die französische Gesandtschaft in Solothurn einrichtete und die Patriziersöhne das Hofleben in Versailles kennenlernten, änderten die Sitten. Anstelle des nächtlichen Maskenlaufens traten Maskenbälle, vorerst für die noble Gesellschaft, in den Vordergrund. Wie der Referent betonte, geht auch der erste Fasnachtsumzug 1734 mit mythologisch-kalendarischen Szenen auf das Konto der Ambassade.

Mit Beginn der Französischen Revolution war allerdings vorerst Schluss mit den fasnächtlichen Aktivitäten. «Weil sie hinter den Larven revolutionäre Umtriebe für möglich hielt, schränkte die patrizische Regierung vor allem die Maskeraden ein», so Wagmann.

Revival für die Fasnacht

Das war aber keineswegs das Ende der Fasnacht in Solothurn. 1845 brachte der Schriftsteller Alfred Hartmann erstmals die damals schweizweit wöchentlich erscheinende satirische Zeitschrift «Postheiri» heraus, dessen Inhalt sich bald um die imaginäre Figur des «Hilarius Immergrün» und dessen Töchterchen Elisi gruppierte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Gründung der Narrenzunft Honolulu. 1888 versuchten offenbar einige Trommlergruppen eine lärmige Tagwacht. Daraus entstand die heutige Chesslete. 1900 wurde am Aschermittwoch der erste Böögg, ein Papierdrache, verbrannt. Der 1. Weltkrieg und der Grippewinter 1918/19 legten die fasnächtlichen Aktivitäten erneut lahm. «Bemerkenswert ist, dass gerade in den schwierigen Zeiten der Depression und nach den Kriegswirren am Solothurner Fasnachtsbaum neue kräftige Triebe ausschlugen», so Wagmann. Nach und nach setzten weitere Zünfte, Guggemusigen und Schnitzelbankgruppen neue Akzente. Heute stehen rund 1200 Aktive und mit den Schnitzelbänken über 40 Gruppierungen hinter der Fasnacht.

«Die Solothurner Fasnacht hat Kriege, Revolutionen, Wirtschaftskrisen und den Gesellschaftswandel überstanden», resümierte Wagmann am Ende seines Vortrags. Frühere Fasnachtsgrössen hätten ausgedient, das Intrigieren sei verloren gegangen, viele Fasnachtsbeizen seien verschwunden und die Strassenfasnacht habe sich verändert. Doch die Fasnacht lebt: «Solange wir zu ihr schauen, wird es sie auch in Zukunft geben.»

Hey, Alter !

in Artikel aus der Broschüre „PROINFO“, Wissenswertes über die Stadt Solothurn, 13. Jahrgang 2017 – 25 Jahre Verlag PROINFO

„Hey, Alter!“, ist eine beliebte Begrüssung unter Jungen, die man bei jeder Gelegenheit hören kann. Eigentlich eine sonderbare Anredeform, wenn man in Betracht zieht, dass in der heutigen Zeit die „ewige Jugend“ ein durchaus erstrebenswertes Ziel für viele darstellt. „Hey, ewig Junger!“, wäre als Formel wohl einiges aktueller und schmeichelhafter. 

Doch die Jungen grüssen mit: „Hey, Alter!“ und verstehen diese Bezeichnung durchaus nicht despektierlich, denn „alt“ wird hier nicht mit gebrechlich oder veraltet gleichgesetzt. Dem Phänomen „Alter“ rechnen die Jungen die Stärken der Erfahrung, Unaufgeregtheit – jugendsprachlich: Coolness – und Übersicht zu. „Hey, Alter!“ ist somit eigentlich ein Ehrentitel.

Wir Älteren können uns ja daran erinnern, dass man sich in jungen Jahren gern einmal etwas älter gegeben hätte. Nicht nur beim Kinoeintritt ab 16 Jahren hat man als Heranwachsender eine beschleunigte Alterung herbeigesehnt; nein, auch bei der Bewältigung grosser Lebensfragen wäre man gern etwas reifer gewesen, obwohl man das nie zugegeben hätte. Ein Wunschzustand, den man Jahre später mit Blick auf die eigene Jugend mit einem Schmunzeln quittiert.

Ein Wunschzustand, der nach einigen Jahren der sichtbaren Alterung regelmässig in die Gegenrichtung umkippt: „Oh, wie war das früher noch ganz anders, als ich noch jung war!“ „Ja, was haben wir nicht alles angestellt, als wir noch jung waren!“ Eine grosse Portion Wehmut durchtränkt den verklärten Blick zurück und kumuliert nicht selten in die unverschämteste aller Behauptungen: „Früher war alles besser!“

„Früher war alles besser!“, diese haltlose Floskel bekommt man tagtäglich zu hören. Eine unbedachte Aussage, die jeden Jahreswechsel zu einem Horrorszenario verkommen lässt. Was kann mir die Zukunft schon Erstrebenswertes bringen, wenn früher doch alles besser war. Dieser ewige Blick zurück, der die Gegenwart und erst recht die Zukunft ohne angemessene Beachtung verkümmern lässt. Ein Statement, das anzeigt, dass man nicht alt sondern veraltet ist und nun wirklich zum alten Eisen gehört. Eine Bankrotterklärung, bei der jegliche Vorteile des Alters verspielt werden.   

„Hey, Alter!“ ist eine Begrüssung, die im Kreis der „Grauen Panther“ seine Berechtigung hätte, obwohl man sich dort mit unterschiedlichsten Aktivitäten jung hält. Ein Verein, in dem sich seit 1993 reifere Menschen aus der Region Solothurn einmal in der Woche treffen. Die „Grauen Panther“ zählen über 300 Mitglieder und veranstalten Vorträge, Besichtigungen, Spielnachmittage, Wanderungen und andere Projekte. Die Floskel: „Früher war alles besser“ hat bei den „Grauen Panthern“ keine Chance zum offiziellen Motto zu werden. Der Blick ist in dieser Non-Profit-Organisation nicht rückwärts gerichtet und Nostalgie gehört nicht zum offiziellen Vereinsprogramm. Die Gegenwart zählt und auch der Zukunft wird ein hoffnungsvoller Blick geschenkt.

Das Altern ist ein gesellschaftliches Thema. Gegen den Alterungsprozess werden unzählige Salben, Pillen und Ernährungstricks angeboten. In den vergangenen Jahren hat sich eine richtige „Anti-Aging-Industrie“ etabliert, mit der Milliarden an Umsatz generiert werden. Mit allen möglichen Hilfsmitteln möchte man dem Altern ein Bein stellen, doch die Verführten kommen dabei unweigerlich selbst zu Fall. Ein künstlicher Alterungsstopp oder gar eine Verjüngung ist eine der grossen Illusionen unserer Zeit. Wer sich die ewige Jugend erschleichen will, der sieht plötzlich ziemlich alt aus, denn die erwünschte „ewige Jugend“ kann man treffender als „ewige Naivität“ bezeichnen.

Alt und ausrangiert will jedoch niemand sein. Ein Wundermittelchen gibt es dagegen und die „Grauen Panther“ machen rege Gebrauch davon: Der gegenseitige Austausch, das Knüpfen eines sozialen Netzwerkes, erhalten die Mitglieder aktiv und lebensfreudig. Zusammen geniessen können, zusammen ins Gespräch kommen und auch einmal verschiedene Meinungen debattieren, das ist ein Lebenselixier sondergleichen. „Hey, Alter!“ wird dabei unweigerlich zu einem Ehrentitel, weil er neben Erfahrung und Realitätssinn auch die grundlegende Stärke verrät, sich richtig einzuschätzen und sein Potential optimal zu nutzen.

Reto Stampfli                                                                                                           7.1.2016